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Glaubt an das Gute im Menschen

Blog für Gesellschaft und Digitalisierung

Glaubt an das Gute im Menschen

Warum wir in lauten Zeiten Vertrauen, Gemeinschaft und Eigenverantwortung brauchen

Wir leben in lauten Zeiten.
Argumente werden zugespitzt, Positionen verhärten sich, Debatten polarisieren. Autokratische Versuchungen nehmen zu, einfache Antworten gewinnen an Attraktivität. Wer am lautesten spricht, scheint recht zu behalten. Wer differenziert, gerät unter Rechtfertigungsdruck.

In diesem Grundrauschen geht etwas verloren, das lange selbstverständlich schien:
das Vertrauen in den Menschen.

Das alte Misstrauen

Die politische Philosophie kennt ein tief sitzendes Misstrauen gegenüber dem Menschen. Berühmt ist der Satz von Thomas Hobbes: homo homini lupus est – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Ordnung, so diese Sicht, entsteht nur durch Kontrolle, Macht und Zwang.

Dieses pessimistische Menschenbild erlebt gerade eine neue Konjunktur. Es passt zu Zeiten der Unsicherheit. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen im Kern egoistisch, irrational oder gefährlich sind, erscheinen starke Führung, Vereinfachung und Abgrenzung plötzlich plausibel.

Doch dieses Bild ist nicht alternativlos.

Ein anderes Menschenbild

Es gibt Organisationen, die bewusst einen anderen Akzent setzen. Ihre Grundprinzipien lauten:
Vertrauen. Gemeinsam. Eigenverantwortlichkeit.

Darin steckt ein klares Menschenbild. Es geht davon aus, dass Menschen:

  • Verantwortung übernehmen können, wenn man ihnen vertraut
  • im Miteinander stärker sind als im Gegeneinander
  • Sinn in ihrer Arbeit suchen und gestalten wollen

Dieses Verständnis ist kein Idealismus. Es ist eine bewusste Entscheidung gegen den Generalverdacht.

Vertrauen als Ausgangspunkt

Vertrauen ist kein naiver Vorschuss.
Es ist ein Arbeitsprinzip.

Wer grundsätzlich misstraut, erzeugt Kontrollsysteme, die Komplexität steigern, Verantwortung fragmentieren und Initiative ersticken. Wer dagegen Vertrauen zum Ausgangspunkt macht, schafft Räume, in denen Menschen wachsen können.

Vertrauen heißt dabei nicht, auf Regeln zu verzichten.
Es heißt, Regeln nicht als Ersatz für Beziehung zu missbrauchen.

Gemeinsam statt gegeneinander

Polarisierung lebt davon, Menschen zu vereinzeln. Sie trennt in Lager, vereinfacht Motive und unterstellt böse Absichten. Autokratische Systeme nutzen genau diese Dynamik: Sie leben vom Gegeneinander.

Das Prinzip „Gemeinsam“ setzt dem etwas Fundamentales entgegen. Es geht davon aus, dass komplexe Aufgaben nur gemeinsam lösbar sind – gerade dann, wenn Perspektiven unterschiedlich sind.

Gemeinsamkeit bedeutet nicht Gleichförmigkeit.
Sie bedeutet, Unterschiedlichkeit produktiv zu machen.

Eigenverantwortung als Gegenentwurf zur Bevormundung

In lauten Zeiten wächst der Ruf nach Führung, die „durchgreift“. Doch Bevormundung erzeugt selten Verantwortung. Sie erzeugt Anpassung oder Widerstand.

Eigenverantwortung setzt etwas anderes voraus: Zutrauen.
Den Glauben, dass Menschen nicht nur reagieren, sondern gestalten wollen.

Wo Eigenverantwortung ernst gemeint ist, entstehen:

  • Lernbereitschaft statt Absicherung
  • Beteiligung statt Rückzug
  • Sinn statt bloßer Pflichterfüllung

Menschen wollen nicht nur funktionieren. Sie wollen beitragen.

Sinn als menschlicher Antrieb

Psychologische Forschung und Organisationserfahrung zeigen: Menschen erleben Sinn besonders dann, wenn sie etwas für andere und mit anderen tun. Sinn entsteht nicht durch Lautstärke oder Macht, sondern durch Wirksamkeit im Miteinander.

In Zeiten von Grundrauschen, Fake News und automatisierter Kommunikation wird dieser Sinn jedoch leicht überdeckt. Umso wichtiger ist ein stabiles Menschenbild, das Orientierung gibt.

Eine bewusste Rückbesinnung

Vertrauen, Gemeinsamkeit und Eigenverantwortung sind keine Wohlfühlbegriffe. Sie sind Leitplanken in einer Zeit, in der Polarisierung und Vereinfachung zunehmen.

An das Gute im Menschen zu glauben heißt nicht, Konflikte zu leugnen.
Es heißt, dem Gegenüber zunächst Sinnorientierung zuzutrauen.

Vielleicht ist genau das heute der entscheidende Gegenentwurf zu Autokratie und Lautstärke:
eine Haltung, die nicht vom Wolf ausgeht, sondern vom Mitmenschen.

Nicht, weil Menschen immer gut handeln.
Sondern weil sie es können – besonders dann, wenn man ihnen vertraut, gemeinsam handelt und ihnen Verantwortung zutraut.

 

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