Confirmation Bias – Reflexion als Gegenmittel

Wir halten uns gern für rational. Für offen. Für urteilsfähig. Das sind ja immerhin wichtige Fähigkeiten für den Job, den wir tun.
Aber ganz so einfach ist das nicht, offen und vorurteilsfrei zu handeln und zu denken, denn es gibt den Confirmation Bias.
Der Confirmation Bias beschreibt unsere Neigung, Informationen so auszuwählen und zu bewerten, dass sie unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen. Widersprechendes blenden wir aus oder erklären es für irrelevant. Nicht aus Absicht, sondern unterbewußt aus Selbstschutz. Zweifel ist anstrengend.
Besonders tückisch ist dabei, dass Erfahrung nicht davor schützt. Im Gegenteil. Wer oft richtig lag, vertraut seinen Mustern – und übersieht leichter das, was nicht passt. Der Confirmation Bias ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern ein Nebenprodukt von Kompetenz.
Warum Wissen allein nicht reicht
Zu wissen, dass es den Confirmation Bias gibt, hilft kaum. Denn wir sind sehr gut darin, ihn bei anderen zu erkennen – und sehr schlecht darin, ihn bei uns selbst zu bemerken. Reflexion wirkt nur dann, wenn sie mehr ist als ein innerer Monolog.
An dieser Stelle erinnert mich das an Søren Kierkegaard und sein berühmtes Clown-Gleichnis: Der Clown warnt vor dem Feuer, doch das Publikum hält es für Teil der Vorstellung – und applaudiert. Nicht, weil die Warnung falsch ist, sondern weil sie nicht ins eigene Erwartungsmuster passt. Hier der Link des Bog Beitrages zum Clown-Gleichnis.
Der Confirmation Bias wirkt ähnlich: Wir hören Warnungen, Daten oder Einwände – aber nur, solange sie zu unserem inneren Skript passen.
Reflexion hilft gegen Confirmation Bias, hier drei Varianten:
Erstens: Annahmen hinterfragen.
Nicht: Was denke ich?
Sondern: Welche Annahmen liegen meinem Denken zugrunde?
Hilfreich ist die Frage: Was müsste wahr sein, damit ich falsch liege?
Hier zeigt sich der Wert von Skepsis – nicht als Misstrauen gegenüber anderen, sondern als methodische Skepsis gegenüber der eigenen Gewissheit.
Zweitens: Widerspruch zulassen.
Reflexion braucht Reibung. Ohne Gegenperspektiven wird sie zur Selbstbestätigung. Widerspruch ist kein Angriff, sondern ein Erkenntnisangebot.
Drittens: Entscheidungen reflektieren, nicht nur Ergebnisse.
Gute Entscheidungen können schlechte Ergebnisse haben – und umgekehrt. Lernen entsteht, wenn wir den Entscheidungsprozess hinterfragen, nicht nur das Resultat.
Warum das in der Transformation entscheidend ist
In Veränderungs- oder Transformationsprozessen verstärkt sich der Confirmation Bias. Aus Sicht der Veränderung wird Kritik schnell als Bremse interpretiert, Fortschritt als Beweis. Skepsis gilt dann als Widerstand – obwohl sie oft ein Frühwarnsignal ist. Aus Sicht der Bewahrenden werden Impulse zur Transformation als Kritik an der bisherigen Vorgehensweisen gesehen. Dieses Spannungsfeld begegnet uns in jedem Projekt und und jeder organisatorischen Veränderung. Daher Aufwand zur Behandlung von Veränderungen in Vorhaben nicht zu unterschätzen.